Man nehme… ! oder: Aus dem Leben eines Paddlergroßgruppenchefkochs

8. August 2004, irgendwo im Nordwesten von Litauen

Alles kam ganz anders als gedacht. Meine eigene Campingküche war gut auf mindestens 10 Tage Leben im Wald und auf der Heide am Fluss vorbereitet und auf eine Person mit allem Drum und Dran abgestimmt. Salz, Pfeffer, Lorbeer, Oregano, Zimt, Nelken, Paprika und sogar eine Muskatnuss fand sich unter den Lecker-Schmecker-Machern. Mehl, Kartoffelmehl, Zucker, Honig, Haferflocken, das obligatorische Olivenöl, ein Fläschchen Balsamicoessig und selbst Zitronensaft fehlte nicht im Inventar meiner zwei Outdoor-Küchenkisten. Nur die Dose Nudossi hatte ich verbummelt – aber das konnte ich mir ja woanders, wenn nötig, erbetteln – im Austausch mit etwas Anderem – versteht sich. Warum ich als Einzelperson jedoch noch ein großes Schneidebrett, Kelle, Rührbesen und sonstiges Küchengerödel mitgenommen hatte, wird sich dem einen oder anderen nicht ganz so erschließen – ach nein, kann ja gar nicht, hatte ich doch der gesamten Mannschaft am Begrüßungstag ein Startermenü versprochen.

Und damit fing alles an. Roland, der Oberpaddler des Vereins für betreutes Paddeln aus Radebeul bei Dresden hatte im Juli/August des Jahres 2004 mal wieder laut aus dem baltischen Wald gerufen und viele, viele kamen: Große und Kleine, Alte und Junge, Fleißige und Faule, Schon-als-Paddler-Geborene und Noch-nie-in-einem-Faltboot-unterwegs-gewesene. Am 8. August 2004, 18:18 Uhr trafen sich alle und es waren insgesamt 46 (in Worten: Sechsundvierzig). Und alle wollten paddeln – womit, das war egal – hauptsächlich stromab. Sie kamen mit faltbaren Holz- und Aluminiumgestellen und spannten künstliche Häute darum. Andere wiederum erschienen nur mit bunten Plasteschüsseln und hatten demzufolge keinen Stress beim Aufbauen. Der Hochsommer zeigte auf seiner Wohlfühlskala im Celsiusbereich Endzwanziger an und im tiefsten Nordwesten von Litauen an einem Fluß mit dem fast unaussprechlichen Namen Virvycia waren wir unserer sächsischen Heimat fernab jeglicher Ruf- und Sichtweite. Die Stimmung war sehr gut und ausgelassen. Urlaubsreif. Reisereif. Gereift zum Paddeln. Und dann kam er: Der Hunger und gleich einen Schritt hinterher: Der Appetit. Die auf den polnischen Asphaltspurrinnen und staubigen Waschbrettpisten Litauens durchgeschüttelten Verdauungsorgane der Mitglieder der Paddlergroßgruppe sehnten sich nach einer Gourmetküche. Und die gab es jetzt. Vor allem etwas feines, etwas edles sollte es sein. Etwas, was man nicht alle Tage zu essen bekommt, selten selber macht, weil es nur noch die Oma kann, aber trotzdem eine gute Tradition hat: Königsberger Klopse.

Zugegeben, für 45 Mäuler hatte ich noch nicht gekocht, aber das Vorhandensein von zwei 13-Liter-Hordentöpfen (dem edlen Spender sei Dank) war mit eine Voraussetzung dafür, es doch einmal zu probieren. Gesagt, getan. In Klaipeda, dem Ankunftsort der Fähre, die mich von Deutschland nach Litauen gebracht hatte, tätigte ich am Vortag einen zufriedenstellenden Einkauf der wichtigsten Hauptzutaten. Kapern, Sardellen und altbackene Brötchen hatte ich vorsichtshalber schon aus Deutschland mitgebracht, da ich letztes Jahr besonders auf der Suche nach Kapern in so manchem Dorfkonsum und Supermarkt Litauens irgendwie nicht so recht fündig gewesen bin.

Königsberger Klopse im Rohzustand

17 Uhr ging es irgendwie los. Etliche Helfer gesellten sich um mich und boten ihre Dienste an. Da waren Zitronen abzureiben, Eier aufzuschlagen, Zwiebeln, Petersilie, Kapern und Sardellen zu schneiden. Das Suppengrün für die Fleischbrühe wurde geputzt, die Brötchen in Wasser eingeweicht und das Hackfleisch mit allen Zutaten geknetet. Ganz besonders hilfreich erwies sich dabei der Einsatz einer Faltschüssel, in die natürlich eine Menge hineinpasst und immer noch Platz zum durchwalken läßt. Die Knochen köchelten derweil eine reichliche Stunde auf einem Barthel-Kocher dahin. Aus dem abgeschmeckten Klopse-Teig formten viele Hände in Null-Komma-Nix genau 100 Klopse und zwischenzeitlich trug die Jugend unserer Paddlergroßgruppe ordentlich Feuerholz für das Lagerfeuer zusammen. Und genau darüber wurde eines der Dreibeine gestellt, unter dem später in einem der Hordentöpfe 28 Beutel Reis in heißem und gewürztem Wasser ihrer Gare entgegensimmerten. Bevor ich jedoch aus der Klops-Koch-Brühe eine leckere Sauce zaubern konnte, wollten die 100 rohen Klopse partout noch ein 10-minütiges heißes Bad in der leckeren Fleischbrühe nehmen. Na gut. Ich ließ sie gewähren.

Mittlerer Abend. Die Sonne schickte sich langsam an, der östlichen Hemisphäre der Erde für die nächsten 7 Stunden den Rücken zu kehren, die Reisbeutel im Hordentopf drohten, nach oben die Flucht anzutreten und: Die frisch gebadeten Klopse fühlten sich in der leckeren Kapernsauce sauwohl. Jetzt schnell die Reisbeutel aufgerissen und den ganzen Inhalt in die Faltschüssel entlassen, hallte auch schon der mehrfache Gongschlag über den Wasserwanderrastplatz nahe des litauischen Dörfchens Gyvoliai. Jetzt wurde aus- und eingeschenkt, verteilt, verschüttet, gekleckert, geschlürft, geschmatzt, geklappert und nach 30 Minuten war der Spuk vorbei. Die Sauberkeit der leergeräumten Töpfe, Faltschüsseln, Teller, Näpfe und Bestecke ließ vermuten, dass hier Piranhas am Werk gewesen sind, denen es vermutlich gut geschmeckt hat.

Und hier die Zutaten für knapp 50 Personen:

Kaliningradski Frikadelki mit Reis und Kapernsauce a la “Königsberg”

  • 3,5 kg Gehacktes vom Kalb
  • 2 kg Schweineknochen
  • 12 große Zwiebeln
  • 10 altbackene Brötchen
  • 18 Eigelb
  • 4 Röhrchen Sardellen
  • 8 Gläser Kapern
  • 8 Zitronen
  • 2 Bund Suppengrün
  • 3 Bund Petersilie
  • 4 Liter süße Sahne
  • 400 g Butter und 2 Hände Mehl f. die Sauce
  • 9 Liter Wasser
  • 1/2 Muskatnuss (gerieben)
  • weißer Pfeffer
  • 4 Lorbeerblätter
  • Piment
  • Pfefferkörner
  • Salz
  • 28 Beutel Kurzkochreis
  • 6 EL gekörnte Brühe
  • Salz
9. August 2004

Am Montag, den 9. August rückte die Stunde der Wahrheit näher. Die Autos mussten heute umgesetzt werden. Nach Lettland. Weit fort von hier. Mit markigen Worten und sauber gereimten Versen schallte Rolands brutal-demokratische Weckdienststimme 7:30 Uhr über die leicht vom Nebel verhangene Wiese an der Virvycia. Minuten später quälten sich die zukünftigen Ventapaddler aus ihren Nylonplanenhäusern und gingen dem morgendlichen Trott eines Paddlerlebens nach. Nach und nach verblich die Müdigkeit in allen Gesichtern, als die Sonne hinter den Wipfeln des nahen Waldes emporstieg und die ersten Duftnoten von frisch gebrühtem Kaffee über den Platz waberten. Bis 10:30 Uhr hatten es dann endlich alle Kraftfahrer geschafft, ihr Morgenmahl zu geniessen, ein- und auszupacken, den Restbeständen der hier warten müssenden Familienmitgieder bis zum Nachmittag Lebewohl zu sagen und sich auf die Reise in ein für viele noch unbekanntes Land zu machen. Rolands Plan sah vor, unsere insgesamt 14 Pkw auf dem Campingplatz am Nabes-See, 20 km nordwestlich von Kuldiga im benachbarten Lettland, für die nächsten 10 Tage einzuquartieren. Seinem Organisationstalent haben wir es zu verdanken, dass wir von dort aus auch wieder zurück nach Litauen gekommen sind. In zwei Minibussen machten es sich ab 13 Uhr 14 Männer bequem und ließen sich in reichlich zwei Stunden 140 km zum Ausgangsort zurück chauffieren.

Die meist weiblichen und jugendlichen Daheimgebliebenen hatten inzwischen einen heißen Bade-, Faltbootaufbau- und Einpacktag fast hinter sich gebracht und warteten nur auf die Mitglieder der Chauffeurfraktion, denn heute sollte die lang ersehnte Fahrt zum Asyl im Paradies beginnen. Und 16:20 Uhr war es dann soweit: Der Startschuss fiel und das Führungsboot für den Rest des Tages, welches ich mit meinem Bootsjungen Jens Jensen darstellte, setzte sich in Bewegung. Innerhalb einer halben Stunde, ich glaube es war die schnellste Zeit während des ganzen Urlaubes, dass alle Boote fahrbereit waren, befanden sich alle auf dem Wasser und fieberten dem uns noch unbekannten Fluß entgegen.

Bereits nach zwei Kilometern wurde der vorerst flotten Fahrt des Pulkes ein jähes Ende bereitet: Eine Staustufe in Form einer betonierten Sohlschwelle. Umtragen war angesagt. Zwar wurde gemeckert ob der teilweise schweren Boote, aber alles lief glimpflich ab und eine halbe Stunde später setzten sich die Boote nach und nach wieder in Bewegung. Dieses nach und nach wurde uns am Abend jedoch noch zum Verhängnis. Eine recht kräftige und zornig aussehende Gewitterfront wollte sich nicht so recht entscheiden, zum richtigen Zeitpunkt ihre Kraft zu offenbaren. Die Paddlergruppe zog sich inzwischen recht weit auseinander und die ersten Gewitterböen machten aus dem bislang friedlichen Fluss ein kleines Wellenabenteuer. Regentropfen peitschten in die Gesichter und weit und breit war nichts zu sehen, um für so viele Leute einen geeigneten Biwakplatz ausfindig zu machen. So paddelten wir einfach noch einige Minuten im noch leichten Regen weiter, bis sich dann notgedrungener Weise doch eine Stelle fand. Zum Ausbooten zwar nicht so angenehm wie beim Einbooten, aber es ging. Der Platz am rechten Ufer wurde begutachtet und wir entschieden uns, hier zu bleiben. Vor Ort war der Besitzer dieses Stückchen Landes anwesend, mit dem wir zum Preis von insgesamt nur 10 Euro eine Nacht zur Bleibe für 20 Zelte auf seiner leicht abschüssigen Wiese aushandeln konnten. Und dann prasselte der Regen los. Gut zwei Drittel der Gruppe war am Ufer, beim Zelt aufbauen, Boote heraustragen und auspacken beschäftigt. Das andere Drittel fehlte und hatte es noch nicht bis hierher geschafft. Flussauf war keiner mehr zu sehen.

Nachdem sich das Gewitter nach einer Stunde verzogen hatte machte sich Norbert auf, um die anderen zu suchen bzw. ihnen entgegenzufahren. Eine halbe Stunde verging – und siehe da – da kam der Rest angepaddelt. Am westlichen Horizont gab die inzwischen purpurrot gewordene Sonne ein letztes Stelldichein und zauberte rosarote Wolken an den Himmel. Alle zeltartigen Unterkünfte standen sicher auf der Wiese und der Hunger und Appetit schlich durch das Gras…

Irgendwer rief was von Makkaroni und irgendwelche Saucen machen und davon, das nicht alle Hunger hätten und schon welche irgendwas gegessen hätten. Ja, Saucen mache ich gerne und zusammen mit den Gliesches und meinem Bootsjungen Jens Jensen machten wir uns daran, eine leckere Tomatensauce zu zaubern. Fernab des inzwischen schon vor sich hinräuchernden Lagerfeuers werkelten wir vor dem Zelt mit Messern, Kocher, Töpfen, Gewürzen, Zucchinis, Knoblauch, Tomaten und Tomatenmark so vor uns hin. Das Ergebnis konnte sich sehen und schmecken lassen! Und als wir damit zur großen Lagerfeuerrunde und zum Makkaronitopf kamen, staunten wir nicht schlecht: Es war nur ein Topf Makkaroni zubereitet worden und der war bereits leergefuttert. Das waren Aussichten! Wir als Führungsboot standen mit leerem Magen da und hielten eine heiße und leckere Tomatensauce in den Händen, die eigentlich zu den Makkaronis gereicht werden sollte. Thomas entschied jedoch daraufhin, schnell noch einmal einen Topf mit der weizenmehlhaltigen Sättigungsbeilage anzusetzen, der zwar eine halbe Stunde bis zur Gare benötigte und uns dann doch nicht so trostlos und hungrig in die nächste Nacht gehen ließ.

10. August 2004

Über das Abendmahl und dessen Organisation habe ich als Hobbykoch natürlich noch einmal eine ganze Nacht geschlafen und unserem Chef Roland am nächsten Morgen das Chaos des vorhergehenden Abendbrotes diskutiert. Er sagte nach einigen Minuten: “Ich Scheffe – Du Chefkoch!” Upps, da hatte ich mir ja was eingebrockt. Aber das werde ich schon meistern. Meine erste Aufgabe bestand nun erst einmal darin, eine große Bestandsaufnahme aller mitgeführten Lebensmittel zu machen. Die große Frage war: “Was hatte denn so jedes Boot in seinem Inneren an verwertbaren Nahrungsmitteln eingelagert und wie ließ sich das für die aufzubauende Paddelgroßküche verwerten? Und vor allem wer hatte was und wieviel davon und wo würde ich es wiederfinden. So paddelte ich unter kräftiger Mithilfe meines Faltboot-Anfängers und Bootsjungen Jens Mauermann von Boot zu Boot und nahm die wichtigsten Lebensmitteldaten auf einer Liste auf. Nach Abschluss dieser Arbeiten ergab sich folgende Situation: An Bord von 25 Booten aller Art fanden sich unter anderem…

  • 45 Reisbeutel á 125 g
  • 4,5 kg Reis (lose)
  • 10 kg Spirelli/Makkaroni
  • 57 Portionen Kartoffelbrei (Pulver) und 1 kg lose Ware
  • 8 Liter Champignonsuppe (Großfamilienpackung)
  • Kartoffelsuppe (Pulver) für ca. 6 l Suppe
  • 3 Liter passierte Tomaten
  • 5 Tuben Tomaten-/Paprikamark
  • 46 Bockwürstchen in Dosen und Gläsern
  • 10 kg Schweine-/Rindergulasch diverser Hersteller
  • unzählige verschiedene Fleischkonserven
  • diverse Gemüsekonserven (Möhren/Erbsen/Mais/Bohnen)
  • …zig Zwiebeln und Knoblauchknollen sowie diverse Gewürze und Öl

Na, das war doch schon mal ein guter Anfang. Aber es würde nicht lange vorhalten. Vor allem von den frischen Dingen, wie Obst und Gemüse war nicht sonderlich viel vorhanden. Und ich stand unter dem gewollten Zwang, einen Plan für mindestens zwei Tage im voraus zu machen und die dafür erforderlichen Dinge parat zu haben. Mannomann, auf was hatte ich mich da eingelassen: Für 45 Leute verantwortlich zu sein. 45 hungrige Mägen zufriedenstellen – und das jeden Abend! Aber ich wurde nicht alleine gelassen. Neben meinen Ideen, was man denn so alles als Abendmahl zaubern könnte, flossen die Ideen vieler anderer mit in meine Planung ein und erleichterten die Aufgabe.

Lebensmittelbestandsaufnahme

Mit der Besorgung der aufzustockenden Lebensmittel im Zeitraum der nächsten 10 Tage brauchten wir uns jedenfalls keine großen Sorgen zu machen. Auf der Venta (sowohl in Litauen als auch in Lettland) kommt man zumindest aller 1,5 bis 2 Tage (also im Abstand von ca. 35 bis 40 km) an einer mittleren Stadt oder einem größeren Dorf vorbei, die Supermärkte und kleine Läden für den Paddler bereithalten. Und es macht Spaß, dort einzukaufen. Erstens, weil man sich um Öffnungszeiten keine Sorgen machen muss, denn große Zahlenkombinationen an den Eingangsbereichen dieser Geschäfte in Form von “7-24“, “8-23” oder “9-21” lassen keinen Planungszwang á la “„…wir müssen bis 18:00 dort und dort sein, weil sonst die Geschäfte zu haben…”” aufkommen und zweitens, weil die Angebotsfülle an einheimischen Waren so manches Leckerli bereithält und das Ganze liebevoll eingerichtet ist und teilweise elegant präsentiert wird. Mein Fazit: An so manch litauischen oder lettischen Supermarkt kann sich der deutsche Einzelhandel eine Scheibe abschneiden!

Meine Lastträger und Einkaufsberater hatte ich natürlich immer mit an meiner Seite. Ob im gut aufgeräumten Supermarkt oder im einfachsten Dorfladen. Nur zu gern erinnere ich mich an den langen Weg vom Maxima-Supermarkt in Mazeikai zurück zum Ufer der Venta. Ein mit über 100 Kartoffeln, mehreren Kilogramm Tomaten, Paprika und Zwiebeln voll bepackter Einkaufswagen mußte herhalten, damit diese Masse bis zu unseren inzwischen als Lastkähne des Chefkochs bezeichneten Kanadiern und Faltbooten wohlbehalten ankam.

Die Beschaffung von Lebensmitteln auf dem Land, also in kleinen, vom Ufer aus sichtbaren Einzelgehöften und Siedlungen ist dagegen schon ein weitaus schwierigerer Akt.

  • Regel Nummer 1: Man beherrsche ein wenig die russische Sprache
  • Regel Nummer 2: Man lasse unnötig viel Geld im Lager
  • Regel Nummer 3: Man kenne sich in einem Gemüsegarten aus und kann notfalls zeigen, was man will bzw. kann saure Gurken, Eier, Kartoffeln, Milch, Rahm oder ein Brot auf irgend eine Weise pantomimisch nachmachen

Ganz so leicht, wie sich manche die Funktion eines Paddlergroßgruppenchefkochs vorstellen, hatte ich es bei meinen abendlichen Aktivitäten natürlich nicht:

  • Ich hatte selten Zeit, mein Zelt aufzubauen sondern begnügte mich teilweise nur mit Hängematte oder dem Platz unter dem Sternenfirmament neben dem während der Nacht langsam verglimmendem Lagerfeuer (war eh viel romantischer!)
  • Ich durfte/konnte keiner gemütlichen links- oder rechtsdrehenden Männer-Vorabend-Bierrunde beiwohnen
  • Ich musste des öfteren unsere lieben Kinder und Jugendliche verwarnen, die die Küche als Spiel- und Sportplatz missbrauchten
  • Ich durfte mir an heißen Hordentopfhenkeln die Hände verbrennen
  • Ich durfte permanent Rechenschaft ablegen, ob denn noch im Licht der untergehenden Sonne, in der Dämmerung oder erst in der stinkenden Nacht gespeist werden konnte
  • - und zusätzlich als Kapitän des Forschungsschiffes mit GPS an Bord (man nannte mich inzwischen Humboldt - was mir natürlich einer große Ehre war) hatte ich allabendlich nach dem Schmaus und der offiziellen Dundak‘schen Tagesabschlussrede die ehrenvolle Aufgabe, die Tagesstatistik der gefahrenen und der gefühlten Kilometer zu präsentieren

Das also war mein Sommerurlaub 2004! Mir hat es jedenfalls viel Spaß gemacht. Und sollte sich eine ähnliche Gruppenkonstellation an einem ebenfalls wunderschönen Fluß ergeben und ich wäre wieder mit dabei, ich würde es wieder tun.

Mein Dank gilt abschließend allen nicht genörgelt habenden Essern, Aufessern und Topfauskratzern, dem Beikoch, Quirlschnitzer und Würzmagnaten Frank und dem Beikoch, Einkaufsberater und feuerfeste-Handschuh-zur-Verfügung-Steller und -zuwerfer Rochus sowie den vielen ungezählten, hier leider ungenannten aber immer hilfsbereiten

  • Feuerholzheranschaffern
  • Dreibeinaufstellern
  • Wasser-in-die-Hordentöpfe-Schüttern
  • Feuerholznachlegern
  • Kartoffelwaschern
  • Kartoffelschälern
  • Faltschüsselheranbringern
  • Pflaumen- und Aprikosenentsteinern
  • Pfifferlingputzern
  • Tomaten-, Paprika-, Weißkohl-, Zwiebel-, Sardellen-, Kapern-, Knoblauch-, Würstchen- und Fleischschneidern
  • Zitronenschalenabreibern
  • Quarkknetern
  • Eieraufschlagern
  • Spaghettizerbrechern
  • Sonnenblumenkerneröstern
  • Sahnebeutelaufreißern
  • Konservendosenöffnern
  • Beutelsuppenaufreißern
  • Heiße-Reisbeutel-Aufschneidern
  • Kidneybohnenwaschern
  • Essenaus- und -verteilern
  • Nahrungsmittelvorräte-im-Boot-Verstauern
  • Kochutensilien-und-Kocher-zur-Verfügung-Stellern
  • und den tagtäglich geheimnisvoll im Hintergrund wirkenden Geschirrabwaschern

Carsten

Nachfolgend alle Mahlzeiten während unserer zehn Paddeltage auf der Venta und der Irbe in Litauen/Lettland mit phantasievollen Menünamen, den gelisteten Zutaten und dem jeweils passenden Erinnerungsfoto:

 

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